Geschichte der Galiläa-Gemeinde

1906 war die Samariter Gemeinde auf 60 000 Seelen angewachsen. Der GKR beschloss die Gründung einer Tochtergemeinde mit eigener Kirche. Allerdings entschied die Stadtsynode nach dem Debakel um die Kosten für die Samariterkirche, für kirchliche Neubauten nicht mehr als 200 000 Mark aufzuwenden. Das war äußerst knapp bemessen. Für 89 000 Mark fand sich ein schiefes Grundstück in der Rigaer Str. 9-10 gleich neben einem Schulgebäude. Dieser nicht gerade ideale Bauplatz stellte die Architekten August Dinklage und Ernst Paulus vor eine große Herausforderung. Nicht nur dass sich das Grundstücks zur Liebigstraße gehörig verjüngte, es fiel auch nach Süden so stark ab, dass sich der eigentliche Baugrund 5m unter dem Straßenniveau befand. Im Ergebnis entstand „das Elefantenhaus, am Ententeich“ wie Pfarrer Hanstein 1914 über das Gotteshaus in der Presse kolportierte. Am 20.6 1910 wurde die Galiläa Kirche eingeweiht und bereits ein Jahr später, am 1.Mai 1911 zur eigenständigen Galiläa Gemeinde.

Die Backsteinfassade reiht sich beinahe unaufdringlich in die südliche Straßenflucht ein. Der Giebel mit seiner Dreifenstergruppe und der kupferbehelmte Turm grenzen lückenlos an Häuserfronten. Die nüchterne Sachlichkeit des Außenbaus wird allerdings im Inneren noch weit übertroffen. Eine Empore umläuft den annähernd quadratischen Raum. Der Zentralraum mit vierseitigem sterngewölbtem Chorpolygon hat eine gebrochene Kassettendecke mit Oberlicht. Dieses gibt dem Raum eine Atmosphäre, die durchaus ans Elefantenhaus oder an andere zoologische Baulichkeiten erinnern. Auch das angrenzende Gemeindehaus erregte Pfarrer Hahnsteins Kritik. Da sich die Entwässerung des rückwärtigen Hofes, der wegen seiner tiefen Lage nicht an die Kanalisation angeschlossen werden konnte, problematisch gestaltete, regte er an, „eine Entenzucht zu etablieren um den Finanzen unserer Gemeinde ein wenig aufzuhelfen“. Die eigenwillige und sparsame Gestaltung der Kirche war aber nicht nur dem Sparzwang geschuldet. Der Innenraum des neugotischen Gotteshauses wurde nach dem Wiesbadener Programm gestaltet. Dort heißt es…der Einheit der Gemeinde und dem Grundsatz des allgemeinen Priestertums soll durch die Einheitlichkeit des Raumes Ausdruck gegeben werden…. Innerhalb der Landeskirche gab es 2 theologische Richtungen: Die Orthodoxen verteidigten die überkommenden Glaubenslehren und vertraten die Auffassung, die Gemeinde brauche zuerst ein Gotteshaus, die Liberalen wollten die modernen Naturwissenschaften mit dem christlichen Glauben verbinden. Für den Bau der Kirche stimmten hauptsächlich die Orthodoxen im GKR der Samaritergemeinde. Der liberale Pfarrer Hanstein der Galiläa Gemeinde brachte im Nachhinein noch eine modernere Alternative ein… wäre vorrangig ein „ anständiges“ Gemeindehaus mit Pfarrsaal für 94.000 Mark erbaut worden, dann hätte man das Geld für eine richtige Kirche in ca. 10 Jahren ansparen können…

Im Februar 1945 wurde der Bau größtenteils zerstört, 1951 begann der Wiederaufbau. 1960 wurden die Kirchenfenster erneuert, 1963 und 1978 musste das Dach neu eingedeckt werden. Der Turm wurde 1975 saniert, auch in der nahen Zukunft steht eine erneute Sanierung an.

Durch die angespannte wirtschaftliche Lage und personelle Veränderungen innerhalb der Gemeinde Ende der 1990 Jahre  fusionierten die Gemeinden Galiläa und Samariter. Die Entscheidung des damaligen GKR bzgl. der Fusion hat in der Gemeinde zu heftigen Diskussionen geführt, Ängste geschürt und leider auch zu etlichen Gemeindeaustritten langjähriger Gemeindemitglieder geführt Die Gottesdienste wurden fortan in der Samariterkirche gemeinsam gefeiert. Bis jetzt werden die Gemeinderäume für die Seniorenarbeit und vom Aktionskreis „Kinder für Tschernobyl“ genutzt.

Aufzeichnungen legen nahe, dass es schon 1920 eine „Kinderbewahranstalt“ in Galiläa gegeben hat. 1968 gab es einen Antrag zum Bau von Waschräumen im Keller zur Nutzung für einen Kindergarten. Im Souterrain der Galiläa-Kirche hat seither die im Kiez beliebte evangelische Kita ihren Platz. Wie das wohl Pfarrer Hanstein gefallen hätte!

2008 zog das Jugendwiderstandsmuseum in die Galiläa Kirche ein. Die Ausstellungen bieten einen Einblick in die Jugend-Widerstandskultur die sich besonders unter dem Dach der evangelischen Kirchen in der DDR etablierte. Die Hedwig Wachenheim Gesellschaft als Träger möchte die Erinnerung an die Bedeutung von Widerstand und Opposition in Friedrichshain wach halten und mahnen, wie wichtig der “aufrechte Gang” und Zivilcourage auch heute sind.