Aus der Geschichte der Samariter-Gemeinde

Die Samariterkirche ist von Baurat Möckel im frühgotischen Stile erbaut.

Die Einweihung erfolgte nach gut 2-jähriger Bauzeit am 22.Oktober 18 94 in Gegenwart der Kaiserin Auguste Viktoria und des Prinzen Friedrich Leopold. Die Glocken erklingen in Es, G und B.

Die ursprünglichen Kirchenfenster, die im November 1944 durch Bombenabwürfe zerstört wurden, zeigten Samariterdarstellungen. Links, der barmherzige Samariter, das mittlere, Jesus und der dankbare Samariter und rechts, die Samariterin am Jakobsbrunnen.

Über dem Hauptportal thront das Geschenk des Gartenbaudirektors G.A. Schulz, die Figur des einladenden Christus.

Das Wirken der verschiedenen Pfarrer ist schon durch Gedenktafeln und die Informationssäule vor und an der Kirche dokumentiert. Die Samariter-Gemeinde setzte sich schon immer für die Bewahrung der Schöpfung und Gerechtigkeit ein. Während der Herrschaft der Nationalsozialisten, der DDR-Zeit, wie auch heute lässt sie sich nicht vereinnahmen und  geht bewusst ihre eigenen Wege.

Wie war das nun ganz am Anfang, als die Kirche gebaut wurde? Wie kam das Geld zusammen? Antworten fand ich unter anderem in dem wunderbaren Buch von Jan Feustel “Turmkreuze über Hinterhäusern“. (Zwei Zwerge Verlag 1999)

1891 erstreckte sich im heutigen Gebiet der Samariterkirche zwischen Frankfurter Allee und Schlachthof “ nischt wie Gegend“. Damit die Aktienbaugesellschaft Berliner Neustadt das Terrain so schnell wie möglich in gewinnbringendes Bauland verwandeln konnte, stiftete man kurzerhand ein  Grundstück als Kirchenbauplatz. Denn stets wuchsen um ein Gotteshaus auch Wohnhäuser empor.

Wie gut dass die St Markus- Gemeinde, sie umfasste 140.000 Seelen, 1892 dringend mehr Platz brauchte. Berlin wuchs um 1900 rasant. In solchen riesigen kirchlichen Verwaltungseinheiten war eine eigentliche Gemeindearbeit nicht mehr möglich. Zu kirchlichen Feiertagen gab es mitunter Tumulte, da die Kirchgebäude nur den 82. Teil der Mitglieder Platz boten. Und dies war nicht der einzige Grund, warum sich die Arbeiterschaft von der Kirche abwandte. Die Amtskirche versagte vor den drängenden sozialen Fragen des Industriezeitalters und setzte den Existenzproblemen der Massen nur traditionell- hierarchische Werte und Strukturen entgegen. Die deutsche Metropole galt als unkirchlichste Großstadt Europas. Um dem entgegen zu wirken legte die Gattin Wilhelms des 1., Kaiserin Auguste Viktoria ein Kirchenbauprogramm „zur Bekämpfung des religiös- sittlichen Notstandes“ auf. Dadurch wurden 1892-94 allein 14 evangelische Gotteshäuser eingeweiht, 25 befanden sich im Bau. Bis 1900 entstanden sogar 51 neue Kirchbauten, und die Kaiserin bekam ihren Spitznamen; „Kirchenjuste“

Der Evangelische Kirchenbauverein übernahm das Projekt „Samariterkirche“ zu dem Auguste Viktoria 75 000 Mark aus der Schlossfreiheitslotterie spendete. Am 7.5.1892 wurden so zeitgleich die Grundsteine zur Auferstehungskirche, einer anderen Filiation der St. Markus Gemeinde, und der Samariterkirche unter kaiserlicher Anteilnahme gelegt. Am 22.10.1894 zur Einweihung war sogar Kaiserin Auguste mit Prinz Friedrich Leopold anwesend. Der Architekt Gotthilf Ludwig Möckel trug durch seine originelle und preisgünstige Konstruktion der Samariterkirche dazu bei, dass sich die Gesamtkosten auf nur 275.000 Mark beliefen. Er fühlte sich streng der historischen Backstein- Gotik verbunden, experimentierte aber auch mit gewagten Konstruktionen und Grundrissen. Die vier gedrungenen Spitzbögen, setzen auf dem Fußboden an und durchkreuzen sich im oberen Drittel. Durch die Einsparung von Pfeilern erhält die Kirche eine steinerne Wölbung und erinnert fast an Schöpfungen der islamischen Baukunst. Dieser “äußerst befriedigenden akustischen Ingenieurskonstruktion“ (Badstüber) haben wir auch den wunderbaren Klang zu verdanken. Ursprünglich erhielt die Kirche eine reiche Ausmalung, die, aber wie das Interieur, kaum erhalten blieb. Den schönsten Schmuck, stellten die Glasfenster dar, biblische Szenen, in denen Samariter auftreten. Das mittlere Fenster vom Kaiserpaar gestiftet, stellte einen weniger bekannten Bericht vom Dankbaren Samariter dar (Lk.17, 11-19), wahrscheinlich sollte so an die Dankbarkeit für die gewährten Wohltaten gemahnt werden.

Allerdings verringerten die neuen Kirchen nicht die Kirchenferne der Menschen in ihrem Umfeld und auch der Plan mit der baulichen Erschließung des Terrains erfüllte sich zunächst nicht. Die Kirche stand auf weiter Flur allein, da die Stadt Berlin die Pflasterung der Zufahrtsstraßen ablehnte. Der Magistrat hatte schon 50.000 Mark Baukostenzuschuss bewilligt unter der Bedingung der Patronatsfreiheit und fühlte sich damit aus der Verantwortung entlassen. Nun hoffte man auf finanzielle Mittel der Kreissynode. Die jedoch war findig genug auf eine Verfügung der Märkischen  Visitations- und Konsistorialordnung zu verweisen Die Sankt Markus Gemeinde schickte daher den Polizeipräsidenten und ließ im August 1893 die Mittel beim Magistrat eintreiben. Kommunalerseits versuchte man den Kostenbeitrag durch Beschwerden zu verringern und stritt  sich um die „unnötige ornamentale Gestaltung“ . Nach 3 Jahren zahlte die Stadt unter  Vorbehalt  73 860 Mark und ging mit dem Fall durch alle Instanzen. Im Juni 1904 urteilte dann das Reichsgericht zugunsten der Stadt und die aufgelaufene Summe von 2 Millionen Mark musste zurückgezahlt werden.

Durch die nachfolgende Kostenbeschränkung von kirchlichen Neubauten war dann die Galiläakirche betroffen.

1925 Jahren musste der Turmspitzkegel erneuert werden, aber die Gemeinde wuchs und es wurden „schöne Gottesdienste in Dankesstimmung“ gefeiert.


 

Aus dem Monatsblatt des Evang. Gemeindevereins Samariter vom November 1927

 

Aus dem Kirchlichen Anzeiger -

Monatsblatt des Evang. Gemeindevereins Samariter, November 1927, Nr. 1, Seite 3:

 

Unsere Samariterkirche im Jahre 1927

1934 baute Pf. Harnisch die“ Bekennenden Gemeinde“  auf.  Sie war eine Oppositionsbewegung evangelischer Christen gegen Versuche einer Gleichschaltung von Lehre und Organisation der Deutschen Evangelischen Kirche (DEK) in der Zeit des Nationalsozialismus, Die Gemeinde kam nicht nur Sonntags viermal zusammen sondern auch 2 mal in der Woche zu je einer Bibel und Bekenntnisstunde.

Durch Bombenabwürfe 1944 wurde die Samariterkirche stark beschädigt. Doch gleich nach Kriegsende war man bemüht die Kirche für Gemeindeversammlungen wieder herzurichten. Die heutige Winterkirche entstand. Vor Weihnachten 1945 schrieb Dr. Harnisch an den Generalsuperintendenten Dibelius:“… habe ich in die große Samariterkirche noch eine kleine Kirche hinein gebaut, eine „Ekklesiole in eclesiam…(Erneuerung der Kirche in der Kirche).

1959 erteilte der Gemeindekirchenrat Frau Pape den Auftrag für neue  Altarfenster und die Umgestaltung des Altarraumes mit einem neuen Werksteinaltar.

In den 1980 Jahren wurde die Gemeinde mit Pf. Eppelmann zum Zentrum der Bluesmessen. Der von ihm initiierte Friedenskreis zählte zu den bekanntesten Oppositionsgruppen in der DDR.

Am Kirchendach und an der Heizung gab es in diesen Zeit  kleinere Sanierungen und Instandsetzungen. 

Nach der Wende und bis heute, wurde und wird verstärkt Friedens und Gerechtigkeitsarbeit in Form der von Frau Pohl geführten Asylberatung und des „Treffpunktcafe für In- und Ausländer“ geleistet.

Spezielle Hilfe für obdachlose  Menschen bieten seit über 20 Jahren der Suppentopf und das wöchentliche Nachtcafe an.

Die Renovierung des Altarraumes und des Kirchenschiffs (besonders der Decken) in den Jahren 2014/,15, hatte ein Volumen von 800.000 Euro, das über Stiftungen und Eigenmittel aufgetrieben wurde. Auch wurde eine neue Beleuchtungs- und Tonanlage installiert.

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Pfarrer der Samaritergemeinde

  • Julius Koch 1896 - 1936

  • Emil Brucks 1889 - 1911

 

  • Waldemar Feder 1899 - 1909

Pfarrer Waldemar Feder

  • Johannes Hachtmann 1905 - 1937

Pfarrer Johannes Hachtmann

  • Dr. Leopold Clausnitzer 1909 - 1922

Pfarrer Dr. Leopold Clausnitzer

  • Alfred Schmidt 1916 - 1930

Pfarrer Alfred Schmidt

  • Dr. Wilhelm Harnisch 1931 - 1953

  • Karl Themel 1923 - 1928

  • Lic. Gerhard Klinge 1929 - 1934

  • Wilhelm Knebels 1934 - 1935

Pfarrer Wilhelm Knebels

  • Martin Ueberschaar 1937 - 1947

Pfarrer Martin Ueberschar

  • Lic. Ferdinand Geisler 1938 - 1953

 

  • Karl Meyer 1947 - 1965

Pfarrer Karl Meyer

  • Superintendent Diericht Jungklaus 1953 - 1962

Superintendent Dietrich Jungklaus

  • Herrmann Ringler 1953 - 1976 (Superintendent ab 1.1.1963)

Pfarrer Herrmann Ringler

  • Karl Kuhnert 1967 - 1973

Pfarrer Karl Kuhnert

  • Dr. Klaus Kozial 1974 - 1975 (nicht eingeführt)

 

 

  • Siegfried Mueller-Schlomka 1965 - 1987

  • Superintendentin Ingrid Laudien 1976 - 1994

  • Rainer Eppelmann 1975 - 1990

  • Joachim Grössing 1994 - 2001 (Pfarrer im Entsendungsdienst)

Pfarrer Joachim Grössing

  • Ruth Küstner 1998 - 1999 (Pfarrerin der Galiläa-Kirchengemeinde; und nach der Fusion mit der Samariter-Kirchengemeinde auch an der Samariterkirche)

Pfarrerin Ruth Küstner (vorher Galiläa-Kirchengemeinde, nach der Fusion auch der Galiläa-Samariter-KG)

 

  • Peter E. Sedler 1991 - 2017

Pfarrer Peter Sedler

  • Dr. Vera v. der Osten-Sacken (Pfarrerin im Entsendungsdienst) 2017 - 2019